Stained, Vulvani & Co. – soziales Projekt oder Menstruations-Start-up?

Copyright: The Female Company, fotografiert von Philipp Köhler

Zwei Herangehensweisen, ein Ziel: Weg vom Tabu, hin zu mehr Offenheit und Aufklärung

In einem sind sich viele Projekte und Organisationen einig: Wir sollten mehr darüber sprechen, was menstruierenden Personen jeden Monat widerfährt – und das frei von Scham, Ekel und Angst. Insgesamt menstruieren zwei Milliarden Menschen weltweit. Jeden Tag sind es, laut Unicef, 300 Millionen Menschen. Man sollte meinen, dass ein Thema, das die Hälfte der Menschheit, von der ersten Menstruation bis zur Menopause etwa 450 Perioden erleben lässt, in alltäglichen Gesprächen Platz finden könne. Doch ist dem so? Aus dem Bedürfnis nach mehr Offenheit und Anerkennung für verschiedenste Probleme rund um das Thema Menstruation, bildeten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr Vereine, Unternehmen, Petitionen und Projekte.

DAS ZINE „STAINED – PERSPEKTIVEN AUF MENSTRUATION“

Die beiden Studierenden Resi Polster und Emilia Stemmler, beide 22 Jahre alt, zeigen wie man der Enttabuisierung der Menstruation entgegenwirken kann. Mit ihrem Projekt „stained – Perspektiven auf Menstruation“ veröffentlichten sie im Oktober 2020 ein 200-seitiges Zine, das Erfahrungsberichte verschiedenster Personen enthält. Zines sind Zeitschriften, die für eine kleine Auflage im Eigenverlag herausgegeben werden. Zeitschriften werden oft von Verlagen produziert und konzentrieren sich möglicherweise auf den Verkauf von Werbeflächen und die Erzielung von Gewinn. Zines werden im Gegensatz dazu hauptsächlich für die Verbreitung starker und revolutionärer Ideen erstellt.

Die Grundidee hinter dem Projekt „stained – Perspektiven auf Menstruation“ war es das Thema Menstruation sichtbar zu machen, so Emilia. „Wir wollten mit anderen Menschen ins Gespräch kommen und andere Perspektiven dazu hören. Dabei sollte das Thema so dargestellt werden, wie es die Person selber empfindet. Wir wollten mit gängigen Narrativen brechen. Die Pandemie brachte uns dazu, dezentral ohne interpersonelle Kontakte daran zu arbeiten. Im März 2020 starteten wir einen Open Call. Wir hofften, dass viele Menschen Beiträge einreichen würden. Das war der Startschuss für das Projekt.“

Resi (links) und Emilia. Copyright: Johanna Gläßer

„Die Menschen sollten daran arbeiten können, wann sie möchten“, führt Emilia aus, „Sie durften auch die Form frei wählen. Es gibt schriftliche Beiträge, sowie künstlerische in Form von Bildern, Gemälden, Fotografien oder Installationen. Durch verschiedene Formen des Arbeitens variiert der Inhalt und der Tenor. Jede Person schrieb eindrücklich darüber, wie sie ihren Zyklus erfährt. Es ging um Menstruation in Beziehungen, in denen mehrere Personen menstruieren, um Situationen während der Schulzeit, wie man damit aufgewachsen ist und wie in der Familie darüber gesprochen wurde. Ob sich die Person, in der Art und Weise wie in der Öffentlichkeit über Menstruation gesprochen wird, inkludiert fühlt. Eine Person hat über ein Lied geschrieben, das Menstruation thematisiert und inwieweit das mit gängigen Narrativen breche und das Ganze enttabuisiere.“

Die beiden erwarteten damals nicht, dass sich aus dem Projekt ein 200-seitiges Zine entwickeln würde, welches schon in der zweiten Auflage gedruckt wurde: „Wir wollten den Menstruierenden den Raum geben, den sie sonst in der Gesellschaft und in dem Diskurs um Menstruation meistens nicht bekommen, um die Vielfalt der Thematik darzustellen“, schildert Resi. Emilia führt weiter aus: „Wir waren überrascht über die Vielzahl an Einsendungen und das große Themenspektrum. Die Sachen, die mir in Erinnerung geblieben sind, sind die, die ich durch meine Menstruationserfahrungen noch nicht kannte. Zum Beispiel gab es eine Person, die über Menstruation im Leistungssport schrieb. Mir war einfach nicht bewusst, wie stark das Thema dort unsichtbar gemacht wurde. Zwei Personen bastelten eine Maske aus Tampons. Es ist extrem spannend, was aus der Idee entstand. Ich glaube, ich könnte in jedem Beitrag etwas benennen, was mich begeisterte und deshalb auch im Zine landete.“

Das Zine „Stained – Perspektiven auf Menstruation“. Copyright: Vanessa Voigt

Rückblickend blieben Resi diese Eindrücke in Erinnerung: „Es hat mich sehr gefreut, dass es zwei Beiträge zu der Geschlechtslosigkeit von Menstruation gab. Uns war von Anfang an wichtig, diesen Mythos aufzubrechen, alle Menstruierenden seien Frauen und alle Frauen menstruieren. Es gibt einen Beitrag, in dem es darum geht, warum Menschen eigentlich sagen, dass sie ihre Tage hätten, oder Begriffe wie Erdbeerwoche verwenden. In dem Beitrag wird die Romantisierung von Menstruation diskutiert. Aber auch der allgemeine Druck durch Normen oder der, welcher durch die Verwendung von Menstruationsprodukten einhergeht, wurde thematisiert. Ebenfalls ging es darum, was es mit Menschen macht, wenn sie gerne Sex haben wollen, während sie menstruieren, aber deren Beziehungs- oder Sexpartner*innen dem gegenüber voreingenommen sind. Es behandelte sehr viele physische Beschwerden – von Krämpfen bis zu Erkrankungen wie Endometriose. Um eine Vielfalt an Erfahrungen, Symptomen und Beschwerden auf physiologischer, aber auch psychischer Ebene. Ich fand es sehr schön, dass sich Menschen die Zeit nahmen und sich trauten, ihre Erfahrungen zu teilen“, schildert Resi.

Den Großteil der Zine-Produktion stemmten Resi und Emilia allein. Das Thema sollte sich auch durch die Heftgestaltung ziehen. Die Beiden beauftragten die Grafikdesignerin Vanessa Voigt. „Wir wollten eine Art Blutströme und organische Formen, die über die Seiten ranken und die Texte einfassen sollten“, erläutert Emilia. „Des Weiteren hatten wir Hilfe bei der Website von Alexandra Scholz. Sachen wie den Instagram Account, das Redigieren der Texte, der Kontakt mit den Einsender*innen, die Promo-Phase und den Versand, machten Resi und ich zu zweit. Es gab entlang der Projektentwicklung immer wieder Menschen, die uns mit wichtigen Tipps und Hinweisen versorgten, uns zu Aspekten berieten und uns auf unterschiedlichste Weise bei der Arbeit an „stained“ unterstützten. Dafür sind wir enorm dankbar. Wir verwendeten sehr viel Zeit des ersten Pandemiejahres dafür, das Zine so auf den Weg zu bringen, wie wir uns das wünschten.“

Auszug aus dem Zine „Stained – Perspektiven auf Menstruation“. Copyright: Vanessa Voigt

Die Entscheidung über die Höhe der Druckauflage fiel den Studierenden nicht leicht, erklärt Emilia: „Zu Beginn wussten wir nicht, wie viel Interesse bestehen würde. Im September 2020 druckten wir in der ersten Auflage 1000 Stück. Im Februar 2021 waren wir ausverkauft. Wir verkaufen derzeit die zweite Auflage des Zines für 10 Euro zuzüglich Versandkosten, da es uns wichtig ist den Preis möglichst niedrig zu halten. Wir hoffen, dass es für viele Leser machbar und erschwinglich ist. Wir versuchten transparent zu machen, dass wir damit unsere Druck- und Designkosten decken. Alles was darüber hinaus ging, spendeten wir an unterschiedliche soziale Projekte, Institutionen und Bildungseinrichtungen. Auf unserem Instagram-Account listeten wir alle Projekte und Summen auf, damit die Menschen einsehen können, was mit den Einnahmen geschah.“

Die Resonanz fiel durchweg positiv aus, so Resi: „Ich glaube das Feedback kommt oft bei uns an und darüber freuen wir uns natürlich, aber eigentlich gehört es noch sehr vielen anderen Menschen.“ „Die Aufmerksamkeit, die auf dem Projekt lag“, verdeutlicht Emilia, „zeigte uns, was wir bereits erreicht haben: Es wird über Menstruation gesprochen und debattiert. Es werden Gespräche angestoßen, die zu Menstruation sonst nicht so häufig erfolgen. Es zeigt, wie oft Sachen generalisiert und Menschen daran gehindert werden, ihre Perspektive zu teilen. Sie werden in einem öffentlichen Raum oft nicht gehört. Das war es, was bei dem Projekt so viel Anklang und Aufmerksamkeit gefunden hat.“ Resi führt weiter aus, warum das vermehrte Sprechen über das Thema nur einer der ersten Schritte sei: „Es wird oft vergessen, wie sehr das Thema Menstruation in unsere Leistungsgesellschaft eingebettet ist. Durch „stained“ wurde sichtbar, wie Menstruierende damit zu kämpfen haben, jeden Monat die gleiche Leistung erbringen zu müssen, weil es ihnen das System so vorgibt. Aber sie können das vielleicht gar nicht und wollen es auch nicht.“, bringt es Resi auf den Punkt.

DIE BILDUNGSPLATTFORM VULVANI

Auch Britta schrieb einen Beitrag für das Zine „stained – Perspektiven auf Menstruation“. Britta Wiebe ist 31 Jahre alt, Geschäftsführerin und Co-Gründerin von Vulvani UG, der digitalen Bildungsplattform rund um Menstruation, Zyklusgesundheit und Sexualität. Sie gründete Vulvani im März 2021 mit ihrem Lebensgefährten Jamin Mahmood.

Photo by Vulvani – http://www.vulvani.com

Ursprünglich hatte Britta nicht vor ein Menstruations-Start-up zu gründen. Als sie das erste Mal von Free Bleeding erfuhr, begann für sie jedoch auf persönlicher Ebene eine Entdeckungsreise. Free Bleeding bezeichne die Technik, durch bewusstes An- und Entspannen des Beckenbodens, die Blutung ohne Hygiene-Artikel, wie Menstruationstassen, Tampons oder Binden zu kontrollieren. „Ich habe gemerkt wie viel noch tabuisiert ist in einem freien Land. Da mich das Thema auf persönlicher Ebene immer mehr interessierte, habe ich alles gelesen, was es dazu gab. Mein Partner sah in dem Thema die gesellschaftliche Relevanz und was alles noch an Aufklärung und Forschung fehlt“, erklärt Britta. Und so starteten die Beiden ihr Vorhaben im Dezember 2019 als Online-Magazin. Mittlerweile ist die Plattform gewachsen: Neben dem Magazin „Periodico“, umfasst Vulvani verschiedene Schulungen zu den Themen wie „First Period“, „Cycle Awareness“ oder „Free Bleeding“, eine Stock-Foto-Gallery und einen Online-Shop für Menstruationsartikel.

Britta beschreibt, warum sie und Jamin sich mit Vulvani als Bildungsplattform positioniert haben: „Unsere Vision ist, dass jede Person mehr über den eigenen Körper lernen kann. Unser Ansatz ist, dass wir Online-Kurse anbieten, aber auch ein kostenfreies Online-Magazin oder Aktivität auf Social Media, damit Menschen unkompliziert und auch auf spielerische Art und Weise mehr über den eigenen Körper erfahren können. Dass wir vermeintlich unangenehme Themen, die tabuisiert sind, in ein digitales Produkt umformen, sodass es Spaß macht sich mit diesen Themen zu beschäftigen und sich weniger nach Aufklärung und Lernen anfühlt.“

Die Schulungen sind Online-Kurse, die Interessierte im Selbststudium durchführen können, erklärt Britta. „Im Sommer 2021 haben wir drei Kurse gelauncht, die für die Altersgruppe von 20 bis 40 Jahre gedacht sind, für Personen, die schon aufgeklärt sind“, beschreibt Britta. „Davon ist der Kurs zum Zyklus-Bewusstsein am beliebtesten. In dem Kurs wird der Menstruationszyklus erklärt und aufgezeigt, wo bei einem die Stärken und Schwächen im Zyklus liegen und wie man das für sich selber nutzen kann. Den Online-Kurs für Kinder haben wir erst Mitte April 2022 gestartet. Wir entwickelten den Kurs auf Wunsch der Community. Daher bin ich zuversichtlich, dass auch dieser Kurs gut angenommen wird. Als wir vorab angekündigt haben, dass wir den Kurs „First Period“ anbieten werden, reagierten viele mit „So einen Kurs hätte ich auch gerne mit 13 gemacht“. Gerade Eltern oder alleinerziehende Vätern, die darüber auf unserer Website gelesen haben, fragten „Wann kommt der? Das wäre wirklich super, weil ich bei dem Thema nicht so richtig weiß, wie ich es meinem Kind erklären soll“. Es gibt Millionen Fragen, die sich die jungen Menschen stellen. Dies ist unsere Antwort darauf.“

Britta Wiebe. Photo by Vulvani – http://www.vulvani.com

Dabei stellt sich die Frage, ob sich mit dem Lehren über das Thema Menstruation Geld verdienen lässt. Bei Vulvani stehe der Bildungsauftrag in Kombination mit dem unternehmerischen Erfolg, so Britta. „Wir beschreiben uns als social impact Start-up. Das heißt, dass wir uns mit einem gesellschaftlichem, sozialen Auftrag sehen. Wir müssen aber auch sicherstellen, dass wir genügend Umsatz generieren, damit wir das auch machen können. Wir bieten unsere Kurse bewusst zu niedrigen Preisen an, weil Bildung kein Privileg sein soll. Wir haben die Vision, dass wir möglichst viele Menschen erreichen wollen. Daher erzielen wir den Umsatz eher über die Masse. Es ist ein Hybrid-Modell: Wir bieten unsere Stock-Foto-Gallery und das Online-Magazin kostenfrei an, weil uns wichtig ist, dass wir dort einen niedrigschwelligen Zugang schaffen. Dann können wir mit den kostenpflichtigen Online-Kursen inhaltlich mehr in die Tiefe gehen. Und je mehr verkauft wird, desto mehr können wir auch anbieten.“

Wie wichtig und erleuchtend ein intensiveres Zyklusbewusstsein sein kann, bemerkt Britta immer wieder an den Reaktionen der Kunden*innen: „Am besten ist es, wenn die Personen den Mehrwert, der in ihrem eigenen Körper liegt, entdeckt haben. Dann folgt ein Aha-Moment dem Nächsten. Häufig hören wir das Feedback „Mir war gar nicht bewusst, wie wenig ich meinen eigenen Körper kannte oder wie viel besser ich meinen Zyklus oder meine Periode gestalten kann.“ Oft ist es so, dass viele vorher nicht wussten, dass das Menstruationsblut relativ wenig ist, nur 30 bis 80 Milliliter je Periode, und dass es gar nicht dauerhaft fließt, sondern zum Beispiel wie bei Wehen in rhythmischen Mustern, in Wellen kommt. Das ist oft ein Fakt, der die Leute überrascht. Ein anderer Punkt in Bezug auf den Zyklus ist der, dass der Eisprung die Länge des Menstruationszyklus bestimmt. Oft liegt der Fokus nur auf der Periode, auf dem was sichtbar ist und was alle kennen. Die Tage der Blutung markiert man sich im Kalender, damit man weiß, wann die Nächste einsetzt. Aber, dass das eigentliche Hauptevent im Zyklus der Eisprung ist und der wiederum bestimmt, wann die nächste Menstruation einsetzt, wissen viele nicht. Viele wissen aber auch nicht, wann bei ihnen der Eisprung stattfindet. Wenn man den Zyklus nicht trackt, ist es etwas Unsichtbares, worüber sich viele keine Gedanken machen.“

Auch für Britta war ihr Zyklus und die Monatsblutung lange etwas, das sie ignorierte. Seitdem Britta Free Bleeding praktiziert, und dadurch viel bewusster mit ihrer Menstruation umgeht, störe diese sie nicht mehr. „Ich sag gerne, dass wir jetzt ein Team sind – ich und meine Menstruation. Ich sehe es als Gesundheitszeichen, um zu wissen, dass alles in Ordnung ist mit meinem Körper und meinem Menstruationszyklus. Ich nehme sie an und weiß, sie gehört zu meinem Körper dazu. Im Endeffekt ist es schöner, es so zu sehen, weil sie uns so viele Jahrzehnte unseres Lebens begleitet.“

Photo by Vulvani – http://www.vulvani.com

Es sei gerade viel in Bewegung rund um die Enttabuisierung der Menstruation in Deutschland, beobachtet Britta. „Und ich habe das Gefühl, wir können unseren Beitrag dazu leisten. Wir sind super motiviert und zufrieden mit dem, was wir schon geschafft haben, aber wir wissen auch, dass es noch viel gesellschaftlich, politisch und menschlich zu verändern gibt.“

Bevor das Thema Menstruation enttabuisiert werden könne, müssten alle gut aufgeklärt werden, erklärt Britta. „Wenn sich jede Person auf individuelle Weise mit sich selbst und dem Thema Menstruation wohlfühlt, kommen wir auch im Umgang miteinander als Gesellschaft voran und können freier mit dem Thema umgehen.“

EIN TREND ODER EINE BEWEGUNG?

Wie man anhand von „stained – Perspektiven auf Menstruation“ und Vulvani erfährt, sehen sich diese beiden Unternehmen selbst als soziales Projekt oder sind Start-Ups mit einem sozialen Anspruch. Damit sind sie nicht die Einzigen. Weitere Beispiele für Menstruations-Start-ups sind The Female Company GmbH und die erdbeerwoche GmbH, die ähnlich wie Vulvani ein Unternehmen mit einer Informationsplattform verknüpften. Sie springen auf den Trend zu mehr Offenheit rund um den weiblichen Zyklus auf.

The Female Company wurde 2018 von Ann-Sophie Claus und Sinja Stadelmaier gegründet und versendet Bio-Periodenprodukte per Briefversand im Abo. Alle Produkte bestünden aus zertifizierter Bio-Baumwolle, die ohne Chemikalien und Pestizide unter hohen sozialen und ökologischen Standards angebaut werde. Das Unternehmen verfolgt, nach eigenen Angaben, die Mission, schambehaftete Themen rund um den weiblichen Körper zu enttabuisieren und geht gegen die Periodenarmut vor: Durch jedes Abo werde eine weitere Frau in Indien versorgt. Dort würden im Rahmen des Sozialprojekts “Pads for Girls” waschbare Stoffbinden genäht und an Frauen in und um Mumbai gespendet.“

The Female Company Bio Baumwolle ©philkoehler.com

Die erdbeerwoche beschreibt sich als das erste auf Menstruation spezialisierte Social Business aus Österreich. Sie streben an, einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft anzustoßen und nachhaltige Monatshygiene in den Mainstream zu bringen. Die erdbeerwoche möchte Menstruation positiv besetzen und Mädchen* und Frauen* bei einem selbstbestimmten, gesunden und nachhaltigen Zyklus unterstützen.

Weitere Beispiele, die diese Bewegung verdeutlichen, sind Vereine wie Periodensystem e.V und Social Period e.V., die sich für mehr Gerechtigkeit für Menstruierende stark machen. Allerdings mit einem bedeutenden Unterschied: Sie fungieren ehrenamtlich.

Bislang existieren keine offiziellen Studien zu den Mehrkosten, die durch die Regelblutung für die Betroffenen entstehen. Vulvani berechnete die Kosten, die im Leben einer Frau für die Grundausstattung an Menstruationshygieneartikeln anfallen würden: Bei fünf Menstruationstagen pro Zyklus, beliefen sich die Kosten auf rund 6,00 € pro Zyklus, wenn nur Tampons und Slipeinlagen verwendet würden. Um den jährlichen Grundbedarf an Menstruationseinwegprodukten zu decken, gebe eine menstruierende Person also durchschnittlich etwa 70,00 € aus. Bei insgesamt 450 Perioden im Leben, würden die Kosten für Tampons und Slipeinlagen bei mindestens 2.700 € liegen. Diese Rechnung beinhalte weder Binden noch andere Menstruationsartikel. Auch Schmerztabletten oder Wärmflaschen seien in dieser Rechnung nicht berücksichtigt. Wirtschaftlich gesehen seien die monatlich verwendeten Wegwerfprodukte ein lukratives Geschäft für Hersteller:innen. Die kulturellen Tabus gegenüber Menstruation trügen zum Erfolg der Einwegindustrie für Menstruationsprodukte bei.

Wie Statista 2021 berichtete geben Menstruierende, laut der erdbeerwoche GmbH, im Laufe ihres Lebens durchschnittlich insgesamt 6.816 Euro für Menstruationsprodukte und Verhütungsmittel aus. Dabei würden 1.920 Euro für Tampons und 672 Euro für Schmerzmittel ausgegeben. Mit rund 3.600 Euro sei die Verhütung der größte Kostenfaktor.

Copyright: Foto von Monika Kozub über Unsplash

Nicht jede Person mit Uterus kann sich diese Mehrkosten leisten. Der ehrenamtliche Verein Periodensystem bietet niedrigschwellige Hilfe für Menstruierende in Not und Aufklärung zu Periodenarmut und Menstruation an. Nach eigenen Angaben würden die Mitglieder des Vereins seit dem Jahr 2016 Spenden sammeln, um Bedürftige mit Perioden- und Hygieneprodukten zu versorgen. Periodensystem e.V arbeite mit Künstler*innen, Gynäkolog*innen, Schulen und Unternehmen zusammen, um Aufklärungsarbeit zu leisten.

Der Verein Social Period wurde von Katja Dill und Undine Mothes ins Leben gerufen und agiert nach einem ähnlichen Schemata. Social Period nutzt ein Spenderboxsystem als Lösung für die Übergabe von Hygieneartikeln an hilfsbedürftige Menschen. Hierbei würden an hoch-frequentierten Standorten im öffentlichen Raum Boxen aufgestellt, durch die alle die Möglichkeit haben sollen Hygieneartikel spenden zu können. Die gespendeten Produkte würden anschließend an Tagesstätten, Notunterkünfte und andere Anlaufstellen weitergeleitet, wo sie obdach- und wohnungslosen Frauen kostenfrei zur Verfügung stehen würden. Auslöser dafür war, laut Social Period, dass nach Artikel 11, Absatz 1, des UN-Sozialpaktes jeder Mensch einen Anspruch auf die Gewährleistung eines angemessenen Lebensstandards habe. Die Gründerinnen des Vereins sind überzeugt, dass der Zugang zu Menstruationsprodukten dazu gehöre. Social Period e.V. startete unter anderem die Petition „#Periodenarmut: Freier Zugang zu Menstruationsprodukten in öffentlichen Einrichtungen“ auf Change.org.

Wie diese Entwicklungen und Aktionen der Akteure zeigen, sind Teile der Gesellschaft dabei das Tabu um die Menstruation zu lockern und aufzubrechen. Wie lange es noch dauert, bis sich alle so weit entwickelt haben, dass offen über den weiblichen Zyklus und alles Dazugehörende gesprochen wird, bleibt jedoch ungewiss. Es hängt davon ab, wie zeitnah die Gesellschaft die Interessen ihrer Angehörigen wahrnimmt und widerspiegelt.

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